Kastration oder zurück ins Tierheim?

Hier sind Fragen zum Verhalten der Ratten untereinander (z.B. Integration, Zähmung), aber auch gegenüber dem Menschen richtig.

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tavina
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Kastration oder zurück ins Tierheim?

Beitrag von tavina » Do 13. Sep 2018, 03:58

Hallo,

vor drei Wochen habe ich zwei Ratten aus einem 6er-Rudel aus dem Tierheim adoptiert, Fido und Jack.
Sie lebten ein Jahr im Tierheim (also fast seit immer) und sind menschlichen Kontakt natürlich nicht so gewöhnt.

Fido ist extrem scheu und Jack extrem aggressiv. Er hat mich schon heftig in beide Fersen gebissen und lässt sich nicht
anfassen.
Leider musste ich die beiden soeben trennen. Anfangs hat Jack Fido schon gejagt, dann ging es besser, aber heute Nacht
war es ganz schlimm.
Für Jack, den ich erst einmal behandeln lassen musste, weil er Probleme mit der Haut hat (Milben oder so etwas) habe ich
für Ende des Monats einen Kastrationstermin. Nun zu meiner Frage:

1. Soll ich die Kastration durchführen lassen und versuchen, ob sich sein Verhalten bessert?

2. oder ihn zurück ins Tierheim geben. Könnte er dort wieder zu den verbliebenen Brüdern?
Ich gebe eigentlich nie ein Tier zurück, weiß aber nicht, was in diesem Fall sinnvoll ist, denn so kann es nicht weitergehen ...

Danke!

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chrisberlin
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Re: Kastration oder zurück ins Tierheim?

Beitrag von chrisberlin » Do 13. Sep 2018, 07:59

Hallo Tavina,
hier stellt sich natürlich die Frage welche Position hatten sie im vorherigen Rudel und welche nehmen sie jetzt ein. Und das ist nachträglich kaum zu ermitteln. Man könnte jetzt mehrere Varianten durchspielen, wobei ich spontan nicht sagen kann welche die sinnvollste wäre da ich die Ratten nicht kenne. Sind es nur die beiden oder sollen sie zu eigenen Ratten?

1. Wie du geschrieben hast Jack kastrieren lassen, als Ergänzung, da es dauert bis die Hormone runter sind, kann man chemisch spritzen um gleich integrieren zu können.

2. Aufwändiger aber um den Ratten gerecht zu werden, beide zurück ins Tierheimrudel und schauen wie dort die Konstellation ist und vielleicht dann lieber drei zusammen raus nehmen zwecks Rudelgleichgewicht.

Charlesy
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Re: Kastration oder zurück ins Tierheim?

Beitrag von Charlesy » Do 13. Sep 2018, 11:28

Liebe tavina,
wenn ich mich richtig erinnere, wurde das Rudel immer (schon im TH München) als besonders harmonisch beschrieben. Sie hatten also eine feste, geklärte Hierarchie. Die beiden, die Du zu Dir genommen hast, sind nun wohl mit der neuen Situation überfordert: da sie nur zu zweit sind, können sie keine neue Struktur aufbauen. Der eine dominiert den 'Scheuen' und versucht nun, sich bei Dir durch Beißen als Chef zu etablieren.
Die beste Lösung für die Tierlein wäre mit Sicherheit, wenn Du auch die im TH verbliebenen vier Jungs zu Dir nehmen könntest. Wäre das denn wirklich nicht möglich? Wenn nicht, dann wenigstens noch einen weiteren, aber nur nachdem geklärt ist, welche Rolle er im Rudel hat.

Ich habe mit Ferdinand und Maximilian ein ähnliches Problem: Sie lebten in einem harmonischen Viererrudel. Nachdem der Rudelchef verstorben war, brachen im TH 'Kämpfe' um die neue Hierarchie aus. Einer wurde deshalb mit einem Babyrudel vermittelt und Ferdi und Maxi blieben alleine. Beide verstehen sich zwar sehr gut mit meinen Kastraten Leopold und Wigo, miteinander aber überhaupt nicht: Ferdi ist der sanftere, den Maxi immer wieder zu dominieren versucht. Da sie ein ganzes Zimmer mit vielen Unterschlupfmöglichkeiten haben, können sie sich aus dem Weg gehen und mit zunehmendem Alter werden die Zusammenstöße weniger.
LG, Charlesy

tavina
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Re: Kastration oder zurück ins Tierheim?

Beitrag von tavina » Do 13. Sep 2018, 22:05

Hallo ihr beiden,

das mit dem harmonischen Rudel konnte mir aber zumindest das Tierheim A. nicht mehr bestätigen. Dort gab es auch schon Rangeleien (zwischen wem genau weiß ich nicht). Nur haben sie das vor der Vermittlung natürlich nicht erwähnt.
Könnte ich denn nun noch einen dritten einfach holen und nach drei Wochen dazusetzen?
Eine Integration ist ohne die Kastration von Jack sowieso nicht möglich, da ich nicht mit dabeisitzen könnte, denn Jack beißt mich dann ja (und ich spreche hier nicht von "Zwicken"). Er war auch schon im Tierheim bissig, aber ich wusste natürlich nicht, dass es so extrem ist.

Alle kann ich auf keinen Fall aufnehmen!

tavina
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Re: Kastration oder zurück ins Tierheim?

Beitrag von tavina » Do 13. Sep 2018, 22:06

Wenn ich sie zurückgebe, nehme ich ihnen halt wieder die Freiheit, die sie hier haben = Auslauf und eine gute Pflege... :(

Charlesy
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Re: Kastration oder zurück ins Tierheim?

Beitrag von Charlesy » Do 13. Sep 2018, 23:44

Liebe tavina,
natürlich sollst Du sie nicht zurückgeben. Das käme ja einer Vertreibung aus dem Paradies gleich ;) . Wenn Du aber noch einen nehmen könntest, wäre das gut - dann aber nur einen, damit die im TH Verbleibenden weiterhin ein Rudel - wenn auch nur ein Minirudel - sein können. Wäre es Dir zeitlich möglich, die Jungs im TH einige Male zu besuchen, um Dir selbst ein Bild davon machen zu können, wie sie zueinander stehen? Und dann den nehmen, der am wenigsten mit den anderen verbunden ist?
Wahrscheinlich wirst Du eine Inti machen müssen.
Zum Beißen: Eine Kastration muß da nicht unbedingt helfen. Mein Mero hatte vorher und nachher gleich gerne in meinen Finger gebissen (richtig heftig). Was geholfen hat waren die Fahrten zum TA. Kaum habe ich die Transportbox beim TA geöffnet, sprang Mero auf meinen Arm und klebte an mir wie ein kleines Kind. Je kurze Unachtsamkeit des TA nutzte er, um sich zu mir zu flüchten. Da wir wegen seiner Zahnschiefstellung regelmäßig zum TA mußten, wurde sein Beißen dadurch immer weniger. Ganz aufgehört hat es nie. Ich habe durch ihn aber auch gelernt, mich von Bissen nicht beeindrucken zu lassen und das hat auch geholfen. Wigo hat dadurch das Interesse am Beißen verloren und Maximilian, der damit anfangen wollte, gleich wieder aufgehört.

Ist dein Jack ein Macht- oder ein Angstbeißer?

LG, Charlesy

tavina
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Re: Kastration oder zurück ins Tierheim?

Beitrag von tavina » Sa 15. Sep 2018, 19:55

Guten Abend,

schön wär's, wenn er ein Angstbeißer wäre - nein, eindeutig ein Machtbeißer. Wenn er Auslauf in meinem Zimmer hat, sitz ich meistens auf dem Bett oder mit hochgezogenen Beinen auf einem Stuhl, zumindest passe ich auf, dass ich nicht zu nahe an ihm vorbeilaufe - außer er isst vielleicht gerade etwas.

Nachdem Jack so traurig wirkte ohne Fido und ganz inaktiv war, habe ich es mit den beiden noch einmal probiert und bis jetzt funktioniert er auch...
Über den Dritten denke ich nach, aber ich weiß nicht, ob das jetzt noch funktionieren würde und nächstes Wochenende bin ich auch weg, dh eigentlich könnte ich ihn erst danach holen.

Charlesy
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Re: Kastration oder zurück ins Tierheim?

Beitrag von Charlesy » So 16. Sep 2018, 14:14

Hallo,
da bleiben Dir nur Geduld, Gelassenheit und Bestimmtheit. Mit 'Bestimmtheit' meine ich die ruhe, entspannte Haltung, daß Du der Boss bist und er das lernen muß. Bei mir war dieser Prozess mit vielen Heftpflastern an Fingern verbunden :lol: . Anfangs hatte ich natürlich Angst davor, gebissen zu werden, was meine jeweiliges Gegenüber natürlich merkte und als großen Erfolg verbuchte: Klar, daß so ein Miniwesen stolz darauf ist, einen Menschenriesen in Schach halten zu können. - Ist ja auch beeindruckend. ;)
Als mir das klar wurde, fing ich an, mich zu ändern und seither geht es immer besser. Ich werde nie laut, reagiere immer mit Verständnis auf Beißversuche und rede kurz und ganz ruhig mit dem Tierlein. Denn, ich liebe auch die, die das Beißen in ihrem Repertoire haben.
LG, Charlesy

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Re: Kastration oder zurück ins Tierheim?

Beitrag von Sinela » So 16. Sep 2018, 18:26

Hallo!

Mein Finn (7 Monate) hat mich, nachdem er in die Pubertät gekommen ist, auch gezwickt und einmal auch deftig in den Finger gebissen. Da er auch seinen Kumpel Patrick in Angst und Schrecken versetzt hat, wurde er im Juni kastriert. Patrick ist danach aufgelebt, mich zwickt Finn leider immer noch. Vor der Kastration habe ich immer laut gepiepst, wenn er mich gezwackt hat, jetzt düse ich ihm mit der Hand hinterher, so wie es der Rudelchef bei einer Ratte macht, wenn diese ihn dumm anmacht. Seither hat das zwicken nachgelassen. Wenn du dich das am Anfang nicht traust, dann nimm einen Gegenstand, der nach dir riecht, und verfolge Jack damit. Ich drücke dir auf jeden Fall die Daumen, dass du das Problem in den Griff bekommst und ihr in Zukunft in Ruhe miteinander leben könnt.

LG, Inge

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Re: Kastration oder zurück ins Tierheim?

Beitrag von tavina » Mi 19. Sep 2018, 00:07

Hallo,

leider musste ich sie jetzt wieder trennen und nun bleibt es auch so und ich integriere Fido schon mal zu den beiden "Alten", während Jack kastriert wird.
Das mit dem Hinterherrennen wird wohl nichts, denn Jack beißt dann wie verrückt in den Gegenstand...

Heute saß ich vor dem Käfig und habe mit ihm gesprochen, weil er mir leid tat, so alleine und was macht er? Flitzt schnell raus und faucht mich an - ich bin aufs Bett gehüpft. Leider schaffe ich es (noch) nicht, mich ihm mutig entgegenzustellen.

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