Pirat wird plötzlich sehr ängstlich und schreit viel

Hier sind Fragen zum Verhalten der Ratten untereinander (z.B. Integration, Zähmung), aber auch gegenüber dem Menschen richtig.

Moderatoren: chrisberlin, Asli

Antworten
Irmencja
Mitglied
Beiträge: 9
Registriert: Mi 2. Jan 2019, 18:52

Pirat wird plötzlich sehr ängstlich und schreit viel

Beitrag von Irmencja » Do 9. Mai 2019, 21:21

Hallo zusammen,

da ich hier schon mal vor ein paar Monaten wunderbare Ratschläge zu meinem Problem hatte, hab ich entschieden mich bei meinem jetzigen Problem wieder an euch zu wenden...

Ich habe Mitte Januar 2 Böckchen (geboren 27.11) von einem Züchter geholt. Bis dann hatte ich einen Opa Diego und 2 etwa halbjährige Jungs (Percy und kastrierter Pirat). Bevor ich die neuen kleinen integriert habe, verstarb Diego. Die Integration verlief super (1,5 Woche neutral im Bad, 3 Wochen im gewöhnlichen Auslauf, ca. 2 Wochen käfig). Sie mussten nicht einmal getrennt werden. Pirat war oberlieb, Percy wurde nach Diegos Tod zum Chef, war aber auch recht entspannt. Vor etwa einem Monat verstarb Percy an einer Pneumonie (lange Geschichte, wurde alles versucht), obwohl er gerade 9 Monate jung war :( Na jedenfalls blieben dann der Pirat (im Moment 11 Monate) und die beiden neuen (Muffin und Manson). Muffin ist Chef. Aaaaaaalles lief immer perfekt, glaubt mir.
Vor etwa 2 Wochen habe ich gemerkt, dass sich Pirat immer mehr zurückzieht, er war aber trotzdem sehr lieb und verspielt. Ich dachte er wird "erwachsen) und dadurch etwas ruhiger. Jetzt seit dem WE qietscht er immer mal wieder ohne Grund, vor allem wenn er alleine ist. Vorgestern hab ich gedacht es wird gekämpft, weil ich sehr lautes schreien gehört habe. Bin ans Käfig gerannt und musste feststellen, dass Pirat alleine war. Er ist wie verrückt rumgesprungen und rumgerannt und hat dabei fürchterlich laut geschrieen. Als ob er meeega Angst hätte. Als er sich nach ca. 20 min berühigt hat, hab ich ihn mal ganz gründlich abgetastet etc (bin eine Tierärztin von Beruf, arbeite allerdings nicht in einer Praxis) und es war alles ok. Keine Reaktionen, keine Schmerzen. Im Auslauf war er auch ganz normal, mal neugierig wie immer, mal gechillt. Heute aber wieder das gleiche. 2 solche Episoden innerhalb von etwa 2 Stunden, dazwischen war er etwa eine Stunde ruhig (hat geschlafen).
Ich habe keine Idee, was ich machen soll. Nach Schmerzen sieht es überhaupt nicht aus, eher nach Panikattacken... Aber woher sollen die kommen? Die sind friedlich zueinander, fressen ruhig, putzen sich gegenseitig etc... Ich habe im Käfig nichts verändert...
Wäre es nur eine Episode, würde ich denken, dass er was schlimmes geträumt hat und sich dabei erschrocken hat... Aber dass sich das in so einer kürzen Zeit so oft wiederholt, macht mir Angst...
Fressen tut er normal, auch aus der Hand, aber er nimmt die Leckerlies extrem vorsichtig und verstarrt danach für paar Sekunden bevor er anfängt zu fressen...
Hat er plötzlich Angst vor mir? Warum denn? Ich habe absolut nichts gemacht, auch nicht aus Versehen oder so...
Habt ihr Ideen? :( Ich bin ziemlich verzweifelt...

Benutzeravatar
chrisberlin
Mitglied
Beiträge: 380
Registriert: Di 6. Dez 2016, 20:06
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Pirat wird plötzlich sehr ängstlich und schreit viel

Beitrag von chrisberlin » Fr 10. Mai 2019, 08:11

Hallo irmencja,
im Grunde müsstes du ihn einmal richtig durchschecken ob er nicht doch was krankheitsmässiges hat. Urinstix, Röntgen Thorax, Ultraschall der Bauchorgane, Blutentnahme. Das wäre das Mindestprogramm um etwas aussagen zu können. Zumindest wissen wir das Ratten alles bekommen können was menschen auch so bekommen. Allerdings habe ich bis jetzt nur maximal Epilepsie behandelt. Da müsstes du wenn alles krankhafte ausgeschlossen ist Neuland betreten in Form von Medikamenten gegen Angststörung wie es sich im moment darstellt.
Ich würde zumindest versuchen wenn ich die Attacken mitbekomme ihn rauszunehmen und zu beruhigen.
Vielleicht gibt es ja schon Erfahrungen damit und es meldet sich jemand.

Irmencja
Mitglied
Beiträge: 9
Registriert: Mi 2. Jan 2019, 18:52

Re: Pirat wird plötzlich sehr ängstlich und schreit viel

Beitrag von Irmencja » Fr 10. Mai 2019, 09:39

Hallo chrisberlin,

also das meiste kann ich als Tierärztin schon sicherlich ausschließen. Zum Teil anhand der Symptome, zum Teil weil er nachdem Percy gestorben ist, sowieso gründlich durcheckt wurde. Für mich sieht es nach einem phychischen oder neurologischem Problem.

Neurologisch kann man (was zumindest die Diagnostik angeht) nicht wirklich was machen. Ich gehe am Montag aber trotzdem zu meiner TÄ.

Was das psychische angeht, habe ich ein bisschen gehofft von eurer Seite mal paar Erfahrungberichte zu bekommen, weil ich so ein Problem mit meinen Ratten noch nie hatte, auch davor mit keiner der Ratten, die ich jemals hatte. Auch kann ich keinen Auslöser finden, außer dass sein Bruder vor knapp einem Monat gestorben ist. Aber können Ratten auf so eine komische Art und dann noch so lange trauern? Das hatte ich noch nie. Sie wurden manchmal für 1-2 Wochen etwas ruhiger, aber danach wurde es immer gut...

Was ich vielleicht noch ergänzend schreiben kann: ich hab es dann nach fast einer Stunde geschafft ihn zu beruhigen, wir gingen mit allen drei in den Auslauf (Riesenflur) udn dort war er anfangs noch bisschen unkoordiniert und hat ab und zu geqietscht, aber nach ner halben Stunde war er wieder ganz normal, so wie immer. Ist geklettert, wo er immer klettert, hat gesoffen, sich Leckerlies abgeholt, geschillt auf dem Teppich und im Regal auf den Brettspielen, sogar rumgetobt im einem Karton mit Papier. Normale Ratte halt. Was so alles gegen (z.B.) eine Meningitis (Hinrhautentzündung) spricht. Also es sind wirklich Episoden, dazwischen ist er normal. Auch heute früh: bin vorbeigekommen und er ist sofort aus dem Sputnik rausgesprungen, hat meine Finger abgeschleckt und sich Leckerli abgeholt, wie jeden morgen eigentlich.

Also ich bin gespannt, was die Anderen noch so berichten.

@chrisberlin, womit hat du die Epilepsie behandelt? Phenobarbital oder kriegen Ratten da was besonderes?

Benutzeravatar
chrisberlin
Mitglied
Beiträge: 380
Registriert: Di 6. Dez 2016, 20:06
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Pirat wird plötzlich sehr ängstlich und schreit viel

Beitrag von chrisberlin » Fr 10. Mai 2019, 11:29

Hallo Irmencja,
ja mit Phenobarbital man fängt mit einer 1/8 morgens und abends an und erhöht bis keine Anfälle mehr da sind. Wird in der Regel gut vertragen und es hilft.
Ich hoffe das sich andere noch zu Wort melden.

Streiso
Mitglied
Beiträge: 9
Registriert: So 18. Dez 2016, 09:15

Re: Pirat wird plötzlich sehr ängstlich und schreit viel

Beitrag von Streiso » Sa 11. Mai 2019, 18:43

Hallo Irmencja,
zunächst möchte ich sagen, dass es mir sehr leid tut. Bitte bedenke, dass dieses Verhalten viele Ursachen haben kann.
Nur eine einzige davon habe ich bei einer meiner Ratten kennengelernt. Ich habe momentan keine Ratzies, aber in meinem letzten Rudel vor ein paar Jahren war ein Opa-Bock (über 2 Jahre), der einen Tumor hinterm Auge (also innen) entwickelt hat. Das hat zwangsläufig zu neurologischen Problemen geführt. Er zeigte am Ende genauso ein Verhalten, wie du es beschreibst. Plötzliches lautes Schreien und wildes Herumrennen/-springen, absolut panisch, wie in Todesangst. Er ließ sich ausschließlich durch engen Körperkontakt beruhigen. Die Anfälle kamen immer öfter. Es gab keine äußere erkennbare Ursache.

Also beim Medizin-Check vielleicht mal röntgen?

Ich wünsche euch alles Gute und dass der kleine wieder fit wird! Liebe Grüße! Sarah

Irmencja
Mitglied
Beiträge: 9
Registriert: Mi 2. Jan 2019, 18:52

Re: Pirat wird plötzlich sehr ängstlich und schreit viel

Beitrag von Irmencja » Sa 11. Mai 2019, 20:56

Hallo Streiso,

vielen Dank für die Antwort!
Geröntgt wurde mein süßer vor ca. 2 Wochen und da war nichts. Ich muss aber dabei sagen, dass sich ein Tumor im Gehirn nur dann darstellen lässt, wenn er kalzifiziert oder verknöchert, was ich (zumindest bei DEM Gehirntumor der Ratte; Hypophysenadenom) bis jetzt noch nie erlebt habe. Sehr frustrierend. Aber selbst mit der Diagnose hätte ich nichts mehr unternehmen können... Nichts desto trotzt vielen Dank für den Hinweis! An einen Tumor hab ich erstmal nicht gedacht, weil er nich mal 1 Jahr ist. Aber wir wissen doch alle, wie anfällig für Tumore Ratten sind... :(

Antworten